Von der Theorie zur Praxis: Gemeinden aus der Region Podluží sammeln in Österreich Inspiration für mehr Klimaresilienz

Published: 08.04.2026 Reading time: 3 Minuten

„Zwanzig Jahre lang wurde mir erklärt, warum etwas nicht funktioniert. Hier habe ich gesehen, dass es in der Praxis sehr wohl funktioniert und sinnvoll ist.“ Diese Worte eines Teilnehmers unserer Studienreise nach Österreich bringen auf den Punkt, warum wir uns auf den Weg gemacht haben. Gemeinsam mit Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern, Gemeinderatsmitgliedern sowie Planungsfachleuten aus der Region Podluží wollten wir herausfinden, wie sich die Lebensqualität in unseren Gemeinden verbessern und gleichzeitig ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber Extremwetter und Klimawandel stärken lässt.

Von der Theorie zur Praxis: Gemeinden aus der Region Podluží sammeln in Österreich Inspiration für mehr Klimaresilienz
© Foto: Tereza Ocetková, PIN

Vom Wiederaufbau zur vorausschauenden Planung

In Podluží geht es längst nicht mehr nur um die Bewältigung der Katastrophenfolgen. Gemeinsam mit den Gemeinden wurden Klimaschutz- und Anpassungspläne entwickelt, ein Community Support Center in Hodonín als Ort des Austauschs und Lernens eingerichtet und zahlreiche weitere Initiativen gestartet.

„Wir haben in Podluží mit dem Wiederaufbau nach dem Tornado begonnen, aber schnell erkannt, dass wir in die Zukunft schauen müssen. Unser Ziel ist es, die Gemeinden auf zunehmend häufige Extremereignisse vorzubereiten – sei es Hitze, Dürre oder Starkregen. Die Beispiele aus Österreich haben uns gezeigt, dass Lösungen nicht nur auf dem Papier existieren müssen: Sie funktionieren in der Praxis, können Klimafolgen abmildern, kommunale Haushalte entlasten und die Lebensqualität vor Ort verbessern“, erklärt Projektleiter Roman Klecker, der die Aktivitäten von People in Need in der Region koordiniert.

Energie in Bürgerhand

In der Stadt Wolkersdorf besichtigten wir Windkraftanlagen, die weit mehr sind als technische Infrastruktur: Sie befinden sich teilweise im Besitz der lokalen Bevölkerung und von Unternehmen. Die Investitionen haben sich bereits mehrfach ausgezahlt, und die Bürgerinnen und Bürger profitieren von günstigeren Energiepreisen.

Zudem wurde eine Kläranlage vorgestellt, die dank eigener Photovoltaikanlage teilweise energieautark betrieben wird.

„Schwammstadt“ statt überhitztem Asphalt

In Mistelbach und Wien lernten wir das Konzept der sogenannten Schwammstadt kennen. Anstelle von Bäumen, die aus kleinen Asphaltöffnungen wachsen, stehen ihnen großzügige unterirdische Wurzelräume (mindestens 12 Kubikmeter pro Baum) zur Verfügung, die mit speziellem Substrat gefüllt sind. Dieses funktioniert wie ein Schwamm: Es speichert Regenwasser, das den Bäumen nach und nach zur Verfügung steht.


 „Wärmebildaufnahmen bestätigen, dass die Temperaturen unter solchen Baumkronen um mehrere Grad niedriger sind als auf umliegenden Asphaltflächen. Gleichzeitig reduzieren sich die Kosten für Bewässerung und Pflege“, erläuterte Clarissa Knehs von der Stadt Wien.

Wasser als Verbündeter

In Böheimkirchen konnten wir die Revitalisierung des Michelbachs nach Starkregenereignissen im September 2024 beobachten. Anstatt den Bach wieder in ein enges, verbautes Bett zu zwingen – eine Maßnahme, die den Wasserabfluss beschleunigt und Probleme flussabwärts verschärft – wurde hier ein naturnaher Ansatz gewählt.

Das neu entstandene Bachbett wurde weitgehend erhalten und behutsam angepasst: mit Kiesbänken, großzügigen Retentionsflächen, Steinriegeln zur Strömungslenkung, neuen Mäandern sowie einer Erholungs- und Kühlzone.

Bei Starkregen kann das Gebiet überschüssiges Wasser und Sedimente sicher aufnehmen. Gleichzeitig dient es als Raum für Freizeit, Sport und Abkühlung an heißen Tagen.

Die Studienreise hat eindrucksvoll gezeigt, dass nachhaltige Lösungen für jede Kommune erreichbar sind, die ihre Ressourcen vorausschauend nutzt.

„Besonders wertvoll waren die konkreten Beispiele umgesetzter Maßnahmen, die ihre Machbarkeit bestätigen. Auch der Austausch mit anderen Teilnehmenden und die thematische Vielfalt waren sehr bereichernd“, so ein Teilnehmer in der abschließenden Evaluation.

Andere hoben die Bedeutung von Weiterbildung hervor: „Ein wichtiger Bestandteil unserer Anpassungsstrategie ist die Schulung unserer Mitarbeitenden. Ich werde weiterhin nach Möglichkeiten suchen, dieses Wissen im Team zu vertiefen.“

Die gewonnenen Erkenntnisse werden nun gemeinsam mit den kommunalen Entscheidungsträgerinnen und -trägern in konkrete Projekte in der Region Podluží überführt. Ziel ist es nicht nur, über innovative Lösungen zu sprechen, sondern sie Schritt für Schritt in Straßen, Plätze und Gärten zu integrieren – und so eine klimaresiliente Zukunft aktiv zu gestalten.

Author: Tereza Ocetková, Communication Coordinator, PIN

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